Mit Rücksicht und Umsicht draußen unterwegs

Rund 40 Pferdefreunde aus allen Regionen des Landes fanden sich am 14. März zur jährlichen „Pferd und Umwelt“-Tagung des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein e.V. (PSH) in Neumünster ein, um zahlreiche Themen rund um Reit- und Fahrwege, Pferdehaltung und Naturschutz zu diskutieren.


Neumünster. Zum Auftakt der Tagung lud Dr. Deike Timmermann, die Reitwegefachberaterin des PSH, die Gäste zu einem „Perspektivwechsel“ ein. Ausführlich und mit einer Prise Humor erläuterte sie, warum die Reit- und Fahrwegesituation in Schleswig-Holstein ist wie sie ist und machte deutlich, dass beim Wegemanagement die Interessen aller Nutzergruppen berücksichtigt werden müssen, auch wenn die unterschiedlichen Vorstellungen hier oftmals weit auseinander gehen. Gegenseitige Rücksichtnahme und das offene Gespräch sind das beste Mittel um zu gemeinsamen Lösungen zu kommen, auch wenn die Situation für Pferdefreunde ohne Zweifel oftmals frustrierend sein kann und man sich bei manchen Entscheidungen über die Argumentation wundern mag. Doch gerade deshalb ist es umso wichtiger, sich nicht ständig zu beklagen oder anderen Interessengruppen Vorwürfe zu machen, sondern sich fachlich konstruktiv auf allen Ebenen einzubringen, damit die Belange des Pferdsports auch Gehör finden. „Auch wenn Pferdeleute nie Zeit haben, nehmen Sie sich Zeit für Lobbyarbeit. Gehen Sie zu ihrem Pferd, bringen Sie kurz das Futter vorbei und entschuldigen sie sich, dass sie heute leider keine Zeit zum Putzen haben, weil Sie  zur Gemeinderatssitzung müssen, aber dafür morgen doppelt putzen werden“, rät die Expertin für Landschaftsentwicklung, die schon zahlreiche Wegeprojekte im Land begleitet hat.


Durch gute Lobbyarbeit ist es dem Pferdesport auch gelungen, in Zusammenarbeit mit Dr. Reitmeier vom Landessportverband, bei der Anhörung zur Schutzzonenverordnung Nationalpark Schleswig Holsteinisches Wattenmeer einzuwirken. Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung hat bestätigt, das es dort zu keinen Einschränkungen der bisherigen pferdesportlichen Veranstaltungen und Aktivitäten kommen soll. Die bestehenden Regelungen gelten unverändert weiter. Das Büsumer Wattspringen, das Reiten im Watt südöstlich von Pellworm (mit Ausnahmegenehmigung) und die Wattfahrten von Nordstrand auf die Hallig Südfall dürfen weiter durchgeführt werden.


Die Bedeutung der Wahrnehmung des Pferdesportes in der Öffentlichkeit stellte auch Anna-Sophie Röller von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN) heraus, die in ihrem Beitrag über den 2017 neu eingeführten „Kutschenführerschein“ berichtete. In der heutigen Zeit gibt es diverse Organisationen, die mit vehementen Verbotsforderungen, zum Beispiel zum Gespannfahren und Vielseitigkeitsreiten, auf den Plan treten und langfristig die Nutzung von Pferden gänzlich untersagen lassen wollen. „Und nicht nur die klassischen Tierschutzorganisationen, sondern auch diese Gruppierungen werden in der Politik gehört“, bestätigt auch die PSH- und FN-Tierschutzbeauftragte Dr. Christiane Müller. „Sie sind professionell aufgestellt, argumentieren mit Unfallstatistiken, stürzen sich auf jedes negative Bild und verschaffen sich immer mehr Einfluss. “Damit die Nutzung des Pferdes in Freizeit, Sport, Therapie oder auch im Arbeitseinsatz „das Natürlichste der Welt“ bleibt, ist es notwendig der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, dass die Pferdesportverbände und ihre Mitglieder für eine fachlich korrekte, tiergerechte Ausbildung und einen entsprechenden Umgang mit dem Pferd in allen Bereichen stehen. Der Kutschenführerschein ist nur eine von vielen Maßnahmen hierzu. Obgleich er gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, können Pferdefreunde so nachweisen, dass sie fachkundig sind, ein Gespann sicher im Straßenverkehr zu führen.


Überhaupt ist es heutzutage eine wichtige Fragestellung, wie die man die pferdesportliche Ausbildung „nach draußen“ bringen kann, denn das Ausreiten steht in vielen Reitschulen schon gar nicht mehr auf dem Plan und auch die Zahlen der Abzeichen im Geländereiten sinken bereits seit Jahren kontinuierlich. In mehreren Arbeitsgruppen beleuchten die Teilnehmer deshalb die einzelnen Aspekte dieser Problematik und kamen einhellig zu dem Schluss: Kommunikation ist auch hier der Schlüssel zum Erfolg. Durch intensive Lobbyarbeit kann man für bessere Voraussetzungen für das Reiten und Fahren im Gelände sorgen und so auch wieder mehr Ausbilder für dieses Thema begeistern. Die vielseitige, fachkundige Ausbildung und die Kompetenz der Trainer sind hierbei sowohl ein entscheidendes Argument für mehr Freiheiten in der Natur, als auch im Dialog mit Reitschülern oder ihren Eltern, denen man den Wert des Naturerlebnisses für die persönliche und sportliche Entwicklung wieder vermehrt nahebringen muss, damit die entsprechenden Angebote auch nachgefragt und honoriert werden.

 

 Wo unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander treffen, ist gegenseitige Rücksichtnahme unabdingbar.
(Foto: FN-Archiv/Thoms Lehmann)